EuroLSJ
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Fragen

Was ist EuroLSJ?

L, S und J sind die in Europa am häufigsten vorkommenden Anfangsbuchstaben des Wortes für „Sprache“. Die Idee ist um 2000 herum aufgekommen und war ursprünglich inspiriert durch internationalen Studentenaustausch und die Inhalte etymologischer Wörterbücher (Herkunfts­wörterbücher).

Ein gut recherchiertes etymologisches Wörterbuch kann bereits sehr anschaulich die Reichweite der internationalen Verbreitung von Wörtern darstellen – eine Verschiedenheit, in der sich zugleich Einheit verbirgt. Vor diesem Hintergrund europäisches Sprachgut zusammenzutragen war die zentrale, und übrigens bis heute faszinierende Herausforderung.

Hierbei halfen über die Jahre die immer besser gewordene Technik, die direkte Zuarbeit von Mitwirkenden mit verschiedenen Muttersprachen, sowie viele Gespräche mit Wissenschaftlern bei linguistischen Fachkongressen in Europa. Und die Selbsterfahrung von dort zumeist in Landessprache gehaltenen Vorträgen.

Seit 2004 ist EuroLSJ ein eingetragenes Markenzeichen, seit 2007 ist das Projekt am Eurolinguistischen Arbeitskreis Mannheim beteiligt, der 1998 an der philologischen Fakultät der Universität Mannheim gegründet wurde.

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Wozu Europäisch? - Es spricht doch jeder Englisch!

Der Weg zur Freude Europas führt über seine Sprachen. Dank dem Wörterbuch der europäischen Sprache kann jetzt jeder, der Lust hat, diesen Weg gehen und davon profitieren. Europäisches Sprachgut ist der Zugang zur Landessprache. Und wer sie spricht, ist überall im Vorteil gegenüber dem, der sie nicht spricht.

Aber auch als Gemeinschaft kann Europa auf die Dauer nicht ohne Freude gelingen. Wir sollten bald anfangen, dies zu beachten, denn wenn Europa nicht irgendwann einlöst was es einmal versprochen hat, könnte es von seinen enttäuschten Bürgern abgewählt werden oder an Kraftlosigkeit zugrunde gehen.

Die Verbreitung von Englischkenntnissen hat auf diese Tatsachen keinerlei Einfluss. Im EuroLSJ-Projekt wird europäisches Sprachgut jedoch so aufbereitet, dass vorhandene Englischkenntnisse optimal genutzt werden (siehe Anglo-Europäismen, auf Seite 15 des Wörterbuchs).

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Wieso Europäisch? - Es gibt doch schon Esperanto, und das ist auch gescheitert!

Esperanto ist der alte Vorschlag einer neuen Sprache, Europäisch ist die neue Dokumentation einer alten, schon immer da gewesenen Sprache. Die Zahl der gebürtigen Sprecher von Esperanto liegt nahe Null, die von partiellem Europäisch bei 600 Millionen in Europa und etwa noch einmal so vielen außerhalb. Die Verbreitungszahlen für jeden Einzelfall sind im Wörterbuch ja ausgewiesen.

Dass Europäisch überhaupt mit Esperanto verglichen werden kann, mag daran liegen, dass es sich bei beiden um Sprachaufzeichnungen handelt, die keiner einzelnen Nation oder Region zugeordnet sind. Der Unterschied ist jedoch der, dass sich die Aufzeichnung von Esperanto am Prinzip der Einfachheit orientiert hat, die Aufzeichnung von Europäisch dagegen an der Realität. Ein Wörterbuch ist daher im Fall von Esperanto eine Empfehlung, im Fall von Europäisch eine Information.

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Ist der Brexit nicht der Gegenbeweis zu der These, dass Europa durch Respekt vor den Muttersprachen seiner Bürger zusammenwächst?

Obwohl die EU versucht, die Muttersprache der Briten gegen alle anderen durchzusetzen, hat Großbritannien als erstes den Austritt aus der EU beschlossen. Ist der Brexit nicht der Gegenbeweis zu der Behauptung, Gemeinschaft werde durch die Muttersprachen der Mitglieder erzeugt? - Eine wichtige Frage! Nun:

Man kann in diesem Fall Briten nicht mit Kontinentaleuropäern vergleichen. Die Muttersprachen der meisten Kontinentaleuropäer werden im Ausland, das heißt als Fremdsprache, kaum oder gar nicht gelernt und gesprochen. Deshalb gilt für einen Kontinentaleuropäer: ‚Wo meine Sprache gesprochen wird, da ist Inland, da ist Heimat.‘ Wer die Muttersprache des Konversationspartners spricht, und sei es nur ansatz- oder versuchsweise, der bekundet Interesse an ihm und seiner Herkunft und Zugehörigkeit, und alleine schon dieses Verhalten erzeugt Gemeinschaft.

Für einen Briten ist die Situation eine völlig andere: In der Folge des britischen Weltreiches sind rund um den Globus Tochter-Staatsvölker angelsächsischer Nation entstanden. Ein Brite kann heute eine Weltreise machen, in Gegenden, die fremder und ferner kaum sein könnten, und wo trotzdem jeder vom Regierungschef bis zum Bettler als Muttersprache Englisch spricht. Und dann kommen da Europäer, die Englisch nur als Fremdsprache sprechen: mit Fehlern, mit Akzent, mit Widerwillen. Es ist klar, dass unter diesen Voraussetzungen der Faktor Muttersprache ohne jede Wirkung bleibt. Diese Voraussetzungen treffen aber ausschließlich auf Angelsachsen zu.

Für die Europäer ist der Brexit also kein Grund, daran zu zweifeln, dass die wichtigste Sprache Europas die Muttersprache des Konversationspartners ist.

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Bedroht Europäisch nicht über kurz oder lang die Nationalsprachen, wenn diese zu Dialekten degradiert werden?

Nein. Sie werden auch nicht zu Dialekten degradiert, sondern als Varianten von europäischem Sprachgut dargestellt, soweit sie dies sind. Europäisch ist die Gesamtheit der stärksten verbindenden Elemente zwischen den Nationalsprachen. Europäisch macht die Nationalsprachen nicht überflüssig, sondern zugänglich – und somit auch international viel funktionaler, was ihrer Lebensfähigkeit mit Sicherheit eher nützt als schadet.

Die Befürchtung, dass durch ein europäisches Sprachbewusstsein die Nationalsprachen verdrängt werden könnten, kommt vermutlich daher, dass es in den heutigen nationalen Sprachräumen Europas im Lauf des 20. Jahrhunderts eine starke Verdrängung regionaler Dialekte gegeben hat.

In existenzielle Gefahr geraten sind dadurch jedoch vor allem Dialekte, die reine „Mundarten“ sind – für die es also keine standardisierte Schreibwese gab und keine Tradition in Literatur und Bildung. All das trifft auf die heutigen Nationalsprachen ja nicht zu, was uns allerdings nicht von der Notwendigkeit entbindet, diesen Zustand auch aufrecht zu erhalten.

Neben der Achtung durch andere ist eine wesentliche Voraussetzung für den Erhalt einer Sprache, dass sie von ihren eigenen Sprechern verwendet und nicht aus irgendwelchen Gründen verworfen wird. Beim Erhalt der eigenen Sprache und ihrer Funktionalität können ihre Sprecher entweder an einem Strang ziehen oder sich gegenseitig in den Rücken fallen. EuroLSJ sympathisiert mit Ersteren.

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Hat das EuroLSJ-Projekt eine politische Ausrichtung?

Parteipolitisch nicht, aber dennoch basiert EuroLSJ durchaus auf gewissen Grundansichten.

Die Menschheit hat zu allen Zeiten von Kontakt und Austausch zwischen den Völkern profitiert. Das scheint ein Naturgesetz zu sein, wie man schon beim EuroLSJ-Projekt erkennen kann: obwohl hier einfach nur rein informativ europäisches Sprachgut gesammelt wird, sind wie zur Belohnung genau die Sprachen im Ergebnis am stärksten repräsentiert, die in ihrer Geschichte offen waren für Kontakt und Austausch mit anderen Sprachen.

Ein großes Thema ist heute die Migration. Ich bin der Meinung: Wer die Landessprache spricht, ist integrierbar. Ihm können die gesellschaftlichen Regeln erklärt werden und er kann persönlich die Einheimischen, ihre Mentalität und ihre Werte kennen lernen. Außerdem kann er eine Arbeit aufnehmen und zum Einzahler in die Sozialkassen werden. Es spricht nichts dagegen, dass er bleiben darf.

Wer während eines Asylverfahrens in der Landessprache die Niveaustufe B1 nach dem Europäischen Referenzrahmen erreicht, dessen Asylantrag könnte einfach mit einem Arbeitsvisum beendet werden. Wessen Kinder in einem europäischen Land aufwachsen und zur Schule gehen, der sollte bleiben dürfen, bis die Kinder volljährig sind; danach sollte er weiterhin bleiben dürfen, wenn er die Landessprache spricht. Wenn ein Angehöriger nicht die Landessprache spricht, kann er als Gast bei denen bleiben, die sie sprechen.

Wer sich dagegen dauerhaft der Landessprache verweigert, dessen Aufenthalt im Land macht keinen Sinn. Dies gilt auch für großartige Wissenschaftler und geniale Führungskräfte. Wenn jemand mit einer solchen Begabung dauerhaft nicht fähig ist, die Sprache des Landes zu erlernen, in dem er lebt, dann bedeutet das, dass ihm dieses Land gleichgültig ist. Was soll er dann dort?

Wer länger als für einen Urlaub in einem Land bleibt, sollte schon beginnen, erste Sprachkenntnisse nachzuweisen. Vielleicht könnte man sagen: nach sechs Wochen. Das ist bei keiner europäischen Landessprache zu viel verlangt.

EuroLSJ steht für Sprachschutz - aber als europäischer Altruismus und nicht als nationaler Egoismus. Auf nationaler Ebene sollten die Verhaltensweisen gleichwohl so ausgerichtet sein, dass die Achtung, die der Landessprache entgegengebracht wird, belohnt wird und nicht ins Leere läuft. Solange von europäischer Ebene kein aktiver Sprachschutz kommt, ist nationaler Sprachschutz legitim.

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Fördert das EuroLSJ-Projekt nicht Nationalismus?

Das EuroLSJ-Projekt sieht ein Recht der Landessprache auf Alleinstellung in allen Lebensbereichen. Die Landessprache ist in der Regel die Nationalsprache, gegebenenfalls zusätzlich eine Regionalsprache. Das Alleinstellungsrecht der Landessprache ist nicht verhandelbar.

Internationalität wie Europa sie braucht entsteht dadurch, dass man die Landessprachen zugänglich macht, nicht dadurch, dass man sie ausschließt. Das Alleinstellungsrecht der Landessprache müsste eigentlich eine EU-Richtlinie sein. Dass es das bisher nicht ist, bedeutet aber nicht, dass dieses Recht nicht gilt. Es gibt ungeschriebene Gesetze, deren Beachtung zwar nicht nötig ist um Strafen zu vermeiden, aber umso nötiger, damit Ziele, die man anstrebt, erreichbar werden. Ein solches Ziel ist die europäische Einigung.

Wenn diejenigen, die die Einigung Europas voranbringen wollen, das Alleinstellungsrecht der Landessprache anerkennen, werden die Bürger hinter der europäischen Einigung stehen. Ein Europa ohne seine Sprachen zu bauen, bedeutet dagegen, es ohne seine Bewohner zu bauen, und das löst natürliche Abwehrreaktionen aus, die in Nationalismus ausarten können. Das ist besonders schade, weil die Abwehrreaktionen leicht vermeidbar gewesen wären.

Wessen Sprache man achtet, den achtet man als Menschen, und er wird viel offener und kooperativer als jemand, den man in der Gemeinschaft nur akzeptiert, wenn er eine Maske aufsetzt. Eine Gemeinschaft, die das verlangt, kann nur als feindlich empfunden werden.

Um die Frage zu beantworten: Nein. Wo EuroLSJ bekannt ist, ist Nationalismus auf dem Rückzug, weil er sich durch Achtung und Einbeziehung der Europäer in Wohlgefallen auflöst.

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- Wie soll denn ein Alleinstellungsrecht der Landessprache verwirklicht werden in einer Zeit, in der immer mehr Kommunikation global vernetzt ist? Ist das nicht ein Anachronismus?

Die Europäer als Anachronisten zu bezeichnen, hilft jetzt auch nicht weiter. Wenn Europa eine Gemeinschaft sein soll, mit der ihre Mitglieder sich identifizieren können und in der sie sich gut aufgehoben fühlen, dann wird kein Weg daran vorbeiführen, jedem Europäer das Alleinstellungsrecht seiner Sprache im eigenen Land zuzugestehen – und zwar aktiv und proaktiv. Aktiv heißt: durch Verhalten und nicht nur durch Lippenbekenntnisse. Und proaktiv heißt: von vorne herein und nicht erst unter Beweislast.

Das Alleinstellungsrecht der Landessprache ist eine Zielsetzung, die dadurch, dass sie nicht in allen Bereichen sofort umsetzbar ist, nicht ihren Sinn verliert.

Natürlich sollte dieses Recht nicht bedeuten, dass man sprachlich nicht mehr auf ausländische Mitbürger oder Gäste zugeht. Im Gegenteil: Die Landessprache ist Dreh- und Angelpunkt für eine gelebte europäische Vielsprachigkeit. Dabei hilft das Wörterbuch der europäischen Sprache.

Was die globale Vernetzung betrifft betrifft, dafür werden Fremdsprachenkenntnisse zunehmend überflüssig, da jede Kommunikation der Welt sowohl schriftlich als auch mündlich in der eigenen Muttersprache empfangen werden kann. Die Technik hierfür hat jeder in der Tasche oder zumindest auf dem Schreibtisch, und sie wird jeden Tag besser. Besonders erfreulich ist, dass die Intelligenz für diese Technik mittlerweile auch auf europäischem Boden stationiert ist.

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Was ist mit Armenisch und Georgisch? Gehören die nicht zu Europa?

Streng geografisch gesehen zunächst mal nicht. Die Südgrenze Europas ist dort im Osten der Große Kaukasus und damit die Südgrenze Russlands. Etwas anders würde es aussehen, wenn diese Länder einmal zur EU gehören sollten. Sowohl Armenisch als auch Georgisch sind an einer Menge Europäismen beteiligt, so dass man sie dann in späteren Ausgaben des Wörterbuchs durchaus mit erwähnen könnte.

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aktualisiert am 05.12.2018



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